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Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP)

Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP)

Förderziel und Zuwendungszweck

Mit dem „Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP)“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) soll die Innovationskraft und Kreativität der deutschen Wirtschaft über technische Entwicklungen hinaus gestärkt werden. In Ergänzung der Förderung von vornehmlich technikorientierter Forschung und Entwicklung öffnet das IGP den Fokus für nichttechnische Innovationen. Dabei zielt das IGP insbesondere auf die Stärkung der Innovationskraft von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) inklusive Selbständigen und jungen Unternehmen. Das IGP soll zudem dazu beitragen:

– neue Ideen mit positiver Wirkung für Wirtschaft und Gesellschaft anzuschieben,

– die Struktur und Arbeitsweise der deutschen Wirtschaft zu modernisieren,

– First-Mover-Aktivitäten zu ermöglichen,

– sehr marktnahe Innovationsaktivitäten anzubahnen und

– das kreative Umfeld für neue Geschäftsmodelle und Pionierlösungen durch die Schaffung neuer Kooperationen und Netzwerke zu verbessern.

 

Gegenstand der Förderung; Projektformen

Gegenstand der Förderung sind in Deutschland durchzuführende Innovationsaktivitäten. Dabei können folgende von den Antragstellern frei wählbare Projektformen gefördert werden:

–A: Experimentelle Einzel- oder Kooperationsprojekte in der innovativen Frühphase mit dem Charakter von Machbarkeitstests.

–B: Komplexe Einzel- und Kooperationsprojekte zur Ausreifung von Innovationen samt umfangreichen Markttests und Pilotierung am Markt.

–C: Übergreifende Innovationsnetzwerke aus mindestens fünf KMU (inkl. Selbständige und junge Unternehmen), die durch Leistungen einer Netzwerkmanagementeinrichtung unterstützt werden und deren Akteure sich im gegenseitigem Austausch Wissen zu übergreifenden Innovationsthemen erarbeiten, Ideen entwickeln und Innovationen umsetzen.

 

Anforderungen an die Zuwendungsempfänger

Die Unternehmen und Einrichtungen müssen für die ordnungsgemäße Abwicklung der Projekte folgende Voraussetzungen erfüllen:

– Sie müssen über das innnovationsspezifische und betriebswirtschaftliche Know-How zur Durchführung des Projekts verfügen. Dazu gehört, dass sie über ausreichend entsprechend qualifiziertes Personal verfügen oder entsprechende Neueinstellungen vorsehen bzw. sonstige vertraglich geregelte Personal-Aufnahmen vorsehen.

– Zuwendungen können nur solchen Empfängern bewilligt werden, bei denen eine ordnungsgemäße Geschäftsführung gesichert erscheint und die in der Lage sind, die Verwendung der Mittel bestimmungsgemäß nachzuweisen.

– Sie müssen den nötigen Eigenanteil aufbringen können.

– Der Abzug von Personalkapazitäten (einschließlich Geschäftsführung) für das Projekt darf nicht zum bedenklichen Kapazitätsrisiko für andere wichtige Geschäftsfelder werden.

– Durch geordnetes Rechnungswesen muss die Projektabrechnung sauber und klar nachvollziehbar sein (u. a. im Gesamtkontext mit anderen Betätigungsfeldern).

Sollten Bedingungen zur Antragstellung noch nicht voll erfüllt sein, muss glaubhaft darlegt werden, dass sie zum Förderbeginn eingehalten werden.

 

Zuwendungsvoraussetzungen; Förderkriterien

Das IGP und die mit ihm angeschobenen Projekte zielen auf nichttechnische Innovationen. Dabei können neue Technologien durchaus eine wichtige Rolle spielen – sie müssen dies allerdings nicht zwingend. Das aus Innovationssicht für die Förderentscheidung relevante Kriterium ist vielmehr die Neuartigkeit der Problemlösung, etwa durch ein bislang nicht existierendes Servicekonzept oder Geschäftsmodell. Dabei müssen die Projekte auch im internationalen Vergleich Neuigkeitswert haben. Gefördert werden sollen ausschließlich Projekte, die ohne Förderung gar nicht oder nur mit Zeitverzögerung und in bedeutend geringerem Umfang realisiert werden könnten. Die Förderentscheidung erfolgt anhand der folgenden Kriterien:

– Innovationshöhe: Wesentlich hierfür sind etwa Kreativität, Wagemut und Pioniercharakter des Ansatzes, Differenz zu bisherigen Lösungen, Neuigkeitswert auf nationalem und internationalem Level sowie mögliche Leuchtturmeffekte. Bei Projektform C gilt dies anlog für das Innovationspotenzial des übergeordneten Netzwerkthemas. Das spezifische Innovationsumfeld wird berücksichtigt.

– Anreizeffekt: Wesentlich hierfür sind die Begründung der Antragsteller zum Förderbedarf sowie das Spannungsverhältnis zwischen finanzieller Situation und Innovationswagnis. Beiden Projektformen A und B muss der Entwicklungsprozess auf das realistisch erreichbare Gelingen einer Innovation gerichtet sein, aber gleichwohl mit Risiken behaftet sein.

– Qualität und Überzeugungskraft des Projekts: Wesentlich hierfür sind etwa Zielorientierung und Aufbau des Projektplans, zügige und sinnvolle zeitliche Taktung der Projektschritte, Logik und Verständlichkeit der Ausführungen zur Umsetzung, Übergang in ungeförderte Folgeaktivitäten, sparsamer Umgang mit den eingesetzten Fördermitteln etc. Bei Projektform C liegt besonderes Augenmerk auf der Qualität und Struktur der hier zu erstellenden Innovations-Roadmap.

– Qualifikation und Motivation der Projektbeteiligten: Wesentlich hierfür sind etwa Berufs-und Bildungshintergrund, Schlüsselqualifikationen, Ausführungen zur Motivation, Überzeugungskraft der Erläuterungen zum Projekt und den Projektbeteiligten, Teamzusammensetzung und vorgesehene Arbeitsteilung; positiv sind außergewöhnliche fach-übergreifende Kooperationsmuster. Bei Projektform C steht hier insbesondere auch die Qualifikation der Netzwerkmanagementeinrichtung im Fokus sowie die Eignung und das Zusammenspiel der teilnehmenden Partner.

Entsprechend der Ausrichtung des BMWi werden in der Regel Projekte gefördert, die auf möglichst großen Markterfolg zielen. Für die Förderentscheidung wichtig sind hier:

– Vermarktungschancen: Vor allem Potenzial für Umsatz und Sicherung oder Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland im Kontext des Wertschöpfungspotenzials für die Antragsteller selbst; darüber hinaus fließen Erwägungen zu Projekteffekten über die Antragsteller hinaus in die Förderentscheidung ein.

Im Rahmen der Modellförderung des IGP sollen in Ausschreibungsrunden unterschiedliche Innovationsthemen adressiert werden. In der Regel werden dabei die oben genannten Kriterien angewandt. Eine der Ausschreibungsrunden soll den Bereich sozialer Innovation im Sinne besonders gemeinwohlorientierter Innovationen besonders berücksichtigen. Statt des vorgenannten Vermarktungskriteriums wird die Förderentscheidung hier anhand der Kriterien „sozialer Impact“ und „wirtschaftliche Nachhaltigkeit“ getroffen. Auf die Änderung im Bewertungsschema wird in der entsprechenden Förderrunde explizit hingewiesen.

 

Art und Umfang, Höhe der Zuwendungen

Die Zuwendung wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss (Projektförderung) in Form einer Anteilsfinanzierung gewährt.

Fördersätze bei den Projektformen A und B: Die Förderung der Zuwendungsempfänger erfolgt grundsätzlich bis zu den in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten Fördersätzen, die auf zuwendungsfähige Kosten/Ausgaben bezogen werden:

Art des Zuwendungsempfängers              Projektform A     Projektform B
Kleinstunternehmen                                       70 %                 55 %
Kleine Unternehmen                                       65 %                 50 %
Mittlere Unternehmen                                    60 %                 45 %
Forschungseinrichtungen/Hochschulen          X                       100 %

 

Verfahren

Die Förderentscheidung erfolgt in einem mehrstufigen Auswahlprozess:

– Teilnahmewettbewerb für alle Projektideen, die den formellen Anforderungen genügen.

– Antragsbegutachtung für alle Projekte ,die im Teilnahmewettbewerb überzeugen konnten.

– Auf dieser Basis: Video-Pitch und Förderentscheidung für Projekte der Projektform A.

– Pitch für alle Projekte der Projektformen B und C, die bei der Antragsbegutachtung überzeugen konnten.

– Auf dieser Basis: Förderentscheidung für Projekte der Projektformen B und C.

Die Förderung erfolgt in mehreren Runden mit jeweils themenspezifischem Fokus. Die Ausschreibungen samt Stichtagen und weitere Informationen werden auf www.bmwi.de/IGP bzw. auf dort verlinkten Internetseiten veröffentlicht.

 

Frist

Diese Richtlinie tritt am 1. Oktober 2019 in Kraft und gilt bis 30. September 2023.

 

Aktuelle Ausschreibungen

Die Frist für die erste Ausschreibungsrunde ist bereits abgelaufen. Voraussichtlich startet im Juni 2020 eine zweite Ausschreibungsrunde, die auf kultur- und kreativwirtschaftliche Geschäftsmodelle und Pionierlösungen zielt. Eine dritte Ausschreibungsrunde soll auf Innovationen mit hohem „social impact“ fokussieren und im Herbst 2020 starten.